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In Mostar leben: über Klischees hinaus...

Aktualisiert: 3. Aug. 2025

Nach Mostar in Bosnien und Herzegowina entsendet, um einen Zivilienst zu leisten, werde ich euch von meinen Erfahrungen der letzten sechs Monate durch eine Reihe von Artikeln berichten.


Bevor ich dieses Angebot annahm, hatte ich einige Zweifel, genährt durch die Bedenken meines älteren Umfelds, die sich an die Bilder der Jugoslawienkriege erinnerten. Aber wenn ich eines in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern gelernt habe, dann ist es, dass der erste Eindruck, den man von einem Ort hat, selten richtig ist.


Meine ersten Tage im Januar waren von Erstaunen, Müdigkeit und Kälte geprägt. Ich zog in eine Wohnung ein, die sich wahrscheinlich seit dem Ende Jugoslawiens kaum verändert hatte. Ihr Besitzer war in die USA gezogen, und sein Bruder vermietete sie mir zur Überbrückung, nachdem meine Vorgesetzte danach gefragt hatte. Diese Wohnung war seit einiger Zeit verlassen, wie der Staub und die eisige Kälte im Inneren zeigten. Es dauerte mehrere Tage, bis ich diesen Raum aufwärmen konnte. In der ersten Nacht musste ich in meinem Wintermantel schlafen.


In Mostar versuchte ich, mich durch die bürokratischen Gänge der lokalen Verwaltung zu kämpfen. Ich verstand noch nicht viel von der Sprache oder der Kultur, in der ich mich nun bewegte. Nach der Registrierung bei den Behörden war ich endlich offiziell willkommen, auch wenn ich mich um mein Visum kümmern musste, um länger als drei Monate bleiben zu können.


Mit leichterem Herzen machte ich mich auf, die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden, insbesondere die Altstadt, in der der strahlende Stari Most thront, was wörtlich „alte Brücke“ bedeutet. Diese Brücke, nicht mehr so alt, da sie nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde, hat eine bewundernswerte Architektur. Ihre elegante Kurve erhebt sich stolz über dem türkisfarbenen Fluss, der Neretva. Dieser Fluss ist einer der kältesten der Welt, und tatsächlich bleibt er selbst dann eiskalt, wenn die Sonne die Stadt versengt. Die Farbe dieses Wassers ist hypnotisierend, und ab dem Frühling, wenn die umliegende Natur in ein leuchtendes Grün getaucht ist, sticht sie noch mehr hervor. Dann versteht man, warum Brücken in diesem Land so wichtig sind: um diese vielen Wasserquellen zu überqueren, aber auch, um sie so oft wie möglich zu bewundern.



Ein streunender Hund aus der Stadt Mostar spaziert über die Alte Brücke…
Ein streunender Hund aus der Stadt Mostar spaziert über die Alte Brücke…

Die Steingebäude, die während der osmanischen Zeit gebaut wurden, und die gepflasterten Gassen hatten uns bezaubert, auch wenn ich zugeben muss, dass ich oft über diese letztgenannten geflucht habe, die bei Regen besonders rutschig waren.


Sobald man die komplett wiederaufgebaute Altstadt verließ, konnte man die noch sehr sichtbaren Spuren des Krieges beobachten: die Einschusslöcher in den Gebäuden, die Granatenspuren auf dem Boden entlang des „Boulevards“, insbesondere der Frontlinie während des Krieges, oder die während des Krieges teilweise zerstörten und dann verlassenen Häuser. Oft hatte die Natur ihre Rechte zurückerobert, und hohes Gras, sogar Bäume, wuchsen mitten in den Ruinen.

Ein Granatenspur mit einem Mosaik des französischen Künstlers Ememem bedeckt https://www.instagram.com/ememem.flacking?utm_source=ig_web_button_share_sheet&igsh=ZDNlZDc0MzIxNw==
Ein Granatenspur mit einem Mosaik des französischen Künstlers Ememem bedeckt https://www.instagram.com/ememem.flacking?utm_source=ig_web_button_share_sheet&igsh=ZDNlZDc0MzIxNw==

Frontlinie, aber auch aktuelle Grenze zwischen den beiden Teilen der Stadt, kroatisch und bosnisch, diese Allee war in meiner Nähe, und ich überquerte sie fast täglich, um zur Arbeit zu gelangen, die sich am Eingang des kroatischen Teils befand.


Ich habe nur wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt gewohnt, im bosnischen Teil, welche die muslimische Gemeinschaft von Bosnien und Herzegowina ist. Das Viertel, in dem ich lebte, war nicht sehr groß, und die Bewohner kannten sich untereinander, begrüßten sich und blieben mitten auf der Straße stehen, um sich zu unterhalten oder sogar einen Kaffee zu trinken.


Es war also logisch, dass eine Fremde in dieser Umgebung auffiel. Die Einwohner hielten mich wahrscheinlich für eine Touristin, die nur ein paar Tage bleiben würde, bis ihnen klar wurde, dass sie mich schon viel länger sahen…


Blick auf die Alte Brücke, 12. Mai 2025
Blick auf die Alte Brücke, 12. Mai 2025

 
 
 

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