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Wenn Kunst die Wunden von Mostar heilt.

Während ich diesen Artikel zu Ende schreibe, höre ich bereits die Echos der Proben für ein Konzert, das vor dem Hrvatski dom Herceg Stjepan Kosača in Mostar vorbereitet wird. Gerade erst aus Frankreich zurückgekehrt, tauche ich sofort wieder in die künstlerische Atmosphäre der Stadt ein…


Hrvatski dom Herceg Stjepan Kosača bei einem Konzert
Hrvatski dom Herceg Stjepan Kosača bei einem Konzert

Im Erdgeschoss des österreichisch-ungarischen Hauses, in dem sich das französische Institut befindet, liegt die Kunstvereinigung Rezon, die unter anderem das Street Arts Festival in Mostar organisiert. An Freitagabenden höre ich oft Musik aus ihren Räumen, wenn sie einen Abend mit Konzerten und Ausstellungen vorbereiten. Dieser Verein bringt junge Menschen aus verschiedenen Gemeinschaften zusammen und spielt eine zentrale Rolle im kulturellen Leben der Stadt.


Im Erdgeschoss: die Kunstvereinigung Rezon
Im Erdgeschoss: die Kunstvereinigung Rezon

Diese künstlerische Dynamik bekommt ihre volle Bedeutung in einem Kontext, der noch von den sichtbaren Wunden der jüngeren Geschichte geprägt ist. Die Eltern dieser Jugendlichen haben oft die Schrecken der Jugoslawienkriege erlebt, Angehörige verloren, ihren Alltag zerbrechen sehen. Die nachfolgende Generation wuchs im Schatten dieser Traumata auf – durch die Erzählungen der Älteren, aber auch durch das Stadtbild selbst, das gezeichnet ist von Ruinen, Einschusslöchern und Granatenspuren.


Die Ruinen des ehemaligen Gebäudes der Ljubljanska Banka in Mostar, einst wegen seiner Höhe ein strategischer Posten für kroatische Scharfschützen, sind heute mit Street Art bedeckt.
Die Ruinen des ehemaligen Gebäudes der Ljubljanska Banka in Mostar, einst wegen seiner Höhe ein strategischer Posten für kroatische Scharfschützen, sind heute mit Street Art bedeckt.

In diesem Umfeld wirkt die Kunst wie ein Pflaster für die zerrissene Landschaft und die verletzten Seelen. Die Wandgemälde und Zeichnungen an verlassenen Fassaden bringen neues Leben in die verwundeten Räume und beanspruchen zugleich das vernachlässigte öffentliche Leben zurück.


Ein Wandbild stellt die Alte Brücke von Mostar dar – symbolisiert durch zwei sich treffende Fäuste als Zeichen für Stärke und Einheit. Darunter steht: "Do your best to make corruption less" – Tu dein Bestes, um Korruption zu verringern.
Ein Wandbild stellt die Alte Brücke von Mostar dar – symbolisiert durch zwei sich treffende Fäuste als Zeichen für Stärke und Einheit. Darunter steht: "Do your best to make corruption less" – Tu dein Bestes, um Korruption zu verringern.



Neben der visuellen Kunst spielt auch die Musik eine zentrale Rolle in Mostar… Seit ich hier lebe, habe ich noch nie so viele Konzerte besucht. Ob kostenlose Veranstaltungen in Parks oder auf Plätzen, Festivals oder Konzerte in Bars – es gibt immer etwas zu hören, und die Qualität ist oft beeindruckend.


The Music Pub – Jusovina 5, Mostar
The Music Pub – Jusovina 5, Mostar

Diese musikalische Lebendigkeit hängt auch mit dem einfachen Zugang zur künstlerischen Ausbildung zusammen. Eine Schülerin des Instituts erzählte mir, dass sie kostenlosen Musikunterricht in der Stadt erhält. Zwei Schulen spielen dabei eine Schlüsselrolle: das Pavarotti Music Center und die Mostar Rock School. Dank ihnen können viele junge Menschen lernen, kreativ sein, auftreten und so eine vielfältige lokale Musikszene am Leben erhalten.



Konzert der Mostar Rock School
Konzert der Mostar Rock School

So habe ich mehrere Künstler aus Mostar entdeckt, zum Beispiel Adi Šoše (anhören) oder die Band Zoster (anhören), die kürzlich beim Mostar Summer Fest aufgetreten ist. Der Sänger der Band, mit seinem eigenwilligen Stil, scheut sich nicht, sensible Themen anzusprechen. Ihr Lied „Herzegovina“ thematisiert die regionale Identität, während ein anderes Stück die Nachkriegszeit und insbesondere die Aneignung öffentlichen Eigentums behandelt.


Mostar Summer Fest 2025 – Auf der Bühne: die alternative Rock-Reggae-Band Zoster
Mostar Summer Fest 2025 – Auf der Bühne: die alternative Rock-Reggae-Band Zoster


In einem weiteren Kontext bleibt der Sänger Dino Merlin eine der herausragenden Persönlichkeiten der bosnischen Musikszene. Ich höre regelmäßig sein Lied „Deset mlađa“ (anhören)

Das Lied „Ostala si isti sevdah“ [auf YouTube ansehen] des Sängers Eldin Huseinbegović beleuchtet Aspekte der traditionellen bosnischen Kultur und die Nostalgie nach einem vergangenen Bosnien. Das Stück gehört zur Sevdah-Tradition – einem tief emotionalen Musikstil, der mit Liebe, Verlust, Melancholie und der Geschichte des Landes verbunden ist.

In vielen dieser Lieder findet sich eine ähnliche Sensibilität – ein oft melancholischer Ton. Auch der Sänger Armin Muzaferija bietet mit seinem Lied „Lasto Mala“ (anhören) eine gefühlvolle Interpretation dieser Tradition. Im Musikvideo, in dem Figuren in alten Volkstrachten zu sehen sind, wird eine vergangene Zeit beschworen – was die nostalgische Stimmung noch verstärkt.


Die Vielfalt der bosnischen Kunstszene verdient es, in Frankreich bekannter zu werden.





 
 
 

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